Seitdem es uns gibt, existiert die Zeit und wir werfen die Netze unserer Wahrnehmung auch auf die wiederkehrenden Rhythmen unseres Alltags. So wurde Chronos, die verstreichende Zeit geboren und mit ihr die Kalender, um Ihr Struktur und Ordnung zu geben.
Und so haben wir ein neues Jahr begonnen, wie immer voller Hoffnung und guter Vorsätze. Doch dieser Beginn ist ganz anders als vor einem Jahr, als noch niemand wusste, was uns das Jahr 2020 bringen würde. Es kam dann eine Pandemie, die wir bisher nur aus der Fiktion kannten, aus dystopischen Filmen und Büchern, die uns als unbeteiligte Zuschauer so wunderbar und prickelnd unterhalten durften ohne uns in unserem wirklichen Leben zu gefährden. Es wurde dann nicht ganz so schlimm und tödlich wie in vielen Vorlagen aber doch schlimm genug um der Sicherheit den Vorzug vor unserer Freiheit zu geben, die sowieso, weil immer da und scheinbar selbstverständlich, kaum noch als besondere Errungenschaft demokratischer Systeme auszumachen war. Letztere begannen in viel zu vielen Gesellschaften schon vorher zu erodieren, weil vieler ihrer unzufriedenen Bürger den Lügen und Verheißungen von Demagogen auf den Leim gingen.
Die größte Hoffnung für 2021 ist, dass wir über die bereits laufenden Impfungen diese Pandemie in den Griff bekommen werden, bevor sie unser soziales und wirtschaftliches Leben tiefgreifend verändert oder gar zerstört und wir anschließend zu einer gewissen Normalität zurückkehren können mit der Wiederaufnahme unseres gewohnten Lebensstils. Viele wissen allerdings, dass eine Rückkehr zu dem unserer Wirtschaftsweise inhärentem „Immer mehr“, nicht die adäquate Antwort für einen tragfähigen zukünftigen Lebensstil sein kann, der nachhaltig unsere Ressourcen bewahrt und der aus Achtung und Mitgefühl Lebensinteressen aller Lebensformen auf diesem Planeten berücksichtigt.
Dieses Universum ist Leben und bringt immer wieder Leben in mannigfaltigen Formen hervor. Arten können jedoch aussterben und Zivilisationen gehen unter. Es ist aber in unserem Überlebenswillen angelegt, dass wir unserer Spezies und unserer Zivilisation eine Chance geben sollten, an der Evolution weiter teilzuhaben.
Wir brauchen kluge Konzepte aus interdisziplinärer Suche und umfassender Berücksichtigigung allen uns zur Verfügung stehenden Wissens (Geistes- und Naturwissenschaften) und ihre Umsetzung durch vertrauenswürdige Institutionen und Personen, denen das Gemeinwohl und nicht der persönliche Vorteil auf dem Herzen liegt, um all den Herausforderungen zu begegnen, denen wir als Folge unserer bisherigen Entwicklung bereits ausgesetzt sind.
Und wir brauchen immer wieder Antworten zu den existenziellen Fragen unseres Daseins überhaupt, nach dem Sinn unseres Lebens, unseres Kommens und Gehens. Antworten, die nicht ideologisch vorgegeben, Manipulation, Unterdrückung und Missbrauch den Weg ebnen sondern die wir selber durch eigenes Erleben und Erfahren herausfinden können. Wir brauchen Stätten des Innehaltens sowie Strukuren und Methoden, die uns unterstützen und begleiten.
Der Benediktushof in der Tradition von Willigis Jäger ist ein solcher Ort des Innehaltens und der Neuorientierung und insbesondere sein Angebot von Zen und Kontemplation bietet uns vielfältige Gelegenheit zur Intensivierung unserer individuellen und kollektiven Entwicklung. Neben dem Benediktushof gibt es noch einige andere Orte, die sich der Nachfolge von Willigis Jäger verschrieben haben. Unser Zendo im Dörp ist einer davon. Seit Jahren besteht dort eine kleine Übungsstätte und ein Ort der Begegnung. Diesen gilt es nun auszubauen und ihn auszurichten auf die Erfordernisse der nächsten Jahrzehnte. Als einer der Nachfolger von Willigis in seiner Zen-Linie „Leere Wolke“ möchte ich gemeinsam mit meinen Kindern ein religions- und konfessionsüberschreitendes spirituelles Zentrum des Austausch, des Wandels und der Erholung schaffen, welches allen Menschen, die kommen können und wollen, offen steht.
Ganz alleine schaffen wir das nicht. Wir erkennen an, das in unserer Wirklichkeit bei unserer Art des Wirtschaftens Geld eine bedeutende Rolle spielt. Wer davon hat, kann sich zur Verwirklichung seiner Wünsche und Pläne bedeutende Spielräume schaffen, wem es fehlt, bleiben nur eingeschränkte Möglichkeiten. Wir können allerdings Geld verdienen und tun das auch, indem wir beruflich engagiert sind. Allerdings reichen unsere eigenen Mittel nicht aus, um das geplante Zentrum erst einmal zu finanzieren und damit auch die Voraussetzungen zu schaffen, es überhaupt wirtschaftlich zu führen. Wie die meisten derjenigen, die irgendetwas aufbauen wollen, brauchen wir Kredite, die wir zurückzahlen können und wollen. Vorausgesetzt, unsere bisher bekannte Welt geht nicht unter. Es geht also nicht um Spenden, jedenfalls nicht in erster Linie. Wir sind überzeugt davon, das wir zum Betrieb unseres Zentrums auch ein tragfähiges wirtschaftliches Konzept haben und die notwendigen Mittel erwirtschaften können, um es zu betreiben und auch Kredite zurückzuzahlen.
Im einzelnen ist folgendes geplant:
Ein Seminarzentrum Das Zentrum besteht aus einem Raum der Stille (bereits vorhanden, wird in den Neubau integriert), einem weiteren Übungsraum, einem Raum für Gespräche, einem Empfang mit Teeküche und Toiletten
Ein Gästehaus Das Gästehaus bietet zwanzig Personen Doppel- und Mehrbettzimmer, davon eines barrierefrei, sowie viel Platz zum Wohnen und Erholen. Das können Gäste des Seminarzentrums sein oder Familien und Gruppen, die einfach zur Erholung und zum Austausch zu uns kommen. Die Gäste können sich über eine großzügige Küche selber versorgen oder werden von uns versorgt, sowohl mit Produkten aus der Pâtisserie meiner Tochter wie mit weiteren Produkten unserer kleinen Landwirtschaft, die von unserem familieneigenen Sternekoch zubereitet werden. Wir verarbeiten dabei auch das Fleisch unserer Tiere, können aber selbstverständlich auch eine vegetarische oder vegane Ernährung sicherstellen. Die Wiesen unseres Hofes müssen zur Erhaltung des Landschaftsbildes beweidet werden. Wir haben uns für ganzjährig im Freien lebende Galloway-Rinder in Mutterkuhhaltung entschieden. Da unsere Herde sich in natürlicher Weise vermehrt, müssen wir regelmäßig Tiere schlachten. Wer sich persönlich für das Fleischessen entscheidet, findet bei uns ein Fleisch in einer besonderen Bio-Qualität ohne irgendwelche fremden Zusätze.
Eine Pâtisserie Die Patisserie meiner Tochter Lilo („Lilos Patisserie“https://lilospatisserie.com/) in französisch-deutscher Tradition gibt es bereits mit einer kleinen Fertigung online. Verschiedene Cafés ( https://kukukandergrenze.eu/ https://www.eb-aachen.de ) werden zum Wochenende mit köstlichen Torten und Kuchen beliefert. Wir bauen eine große moderne Werkstatt.
Ein Café Das Café wird vor allem Besuchern von außerhalb Gelegenheit geben, eine Weile auf unserem Hof zu sein und die Köstlichkeiten aus Lilos Patisserie zu genießen. Unser Hof im Dreiländereck B-NL-D liegt in einer reizvollen Wiesen- und Heckenlandschaft mit sanften Hügeln, das von Wanderern, Radfahrern und Ausflüglern stark besucht wird.
Unser ursprünglicher Plan, auf die Finanzierung von Banken zurückzugreifen, die uns das in Vorgesprochen auch bereits zugesagt hatten, ist in Pandemiezeiten obsolet geworden. Keine uns bekannte Bank will einen Ort finanzieren, an dem Menschen zusammenkommen und ihn gerade durch ihr Zusammenkommen wirtschaftlich subventionieren.
Nun ist es aber bekannterweise so, das unheimlich viel Geldvermögen in privater Hand vorhanden ist, das durchaus nach vernünftigen Anlagemöglichkeiten sucht. Das brauchen wir, also konkret Menschen, die über ausreichende finanzielle Resourcen verfügen, ein Anlageinteresse haben, unser Konzept gutheißen und uns vertrauen. Solche Menschen versuchen wir zu finden. Helft uns bitte dabei! Wer Ideen hat dazu oder sich in der Lage sieht, eigene Mittel zu investieren, meldet sich bitte unter zendodoerp@gmail.com oder bei mir persönlich unter der 01712867940.
Seit vielen Jahren gibt es unser Zendo im Dörp, ein Ort der Stille und der Verbundenheit jenseits aller möglichen konfessionellen, religiösen oder ideologischen Zugehörigkeit. Nun würden wir dieses Zendo gerne ausbauen, vergrößern und zusätzlich ein Gästehaus schaffen, um künftig auch Sesshins und intensive Kurse mit Übernachtung anbieten zu können. Wir stehen in der Tradition von Willigis Jäger und in seiner Nachfolge. Der Benediktushof Holzkirchen http://www.Benediktushof-Holzkirchen.de als das größte deutsche Zentrum für Meditation und Achtsamkeit bekommt auf diese Weise einen kleinen Ableger: „Zendo im Dörp, Zentrum für Meditation und Achtsamkeit“. Neben dem Zendo und dem Gästehaus wollen wir auch ein kleines Café aufbauen und eine Patisserie. http://www.lilospatisserie.de Nach langer Vorbereitung geht das umfangreiche Genehmigungsverfahren so langsam seinem Ende entgegen. Alleine und aus eigenen Mitteln werden wir dieses Projekt nicht realisieren können. Gerade jetzt in Corona-Zeiten scheint es auch unmöglich, von Seiten der Banken Unterstützung zu erfahren. Orte der Begegnung unterliegen gerade und auf unbestimmte Zeit den Geboten von Kontaktbeschränkung und Distanz. Wer alternative Möglichkeiten der Finanzierung sieht, ist herzlich eingeladen, sich mit uns in Verbindung zu setzen.
Genau eine Woche nach Wiedereröffnung musste der Benediktushof wieder schließen. Der bayerische Ministerpräsident hatte beschlossen, die Maßnahmen in diesen Zeiten noch einmal zu verschärfen und so fielen ihr auch die Präsenzveranstaltungen in außerschulischen Bildungseinrichtungen zum Opfer. Wir können das nur so hin- und annehmen. Selbstverständlich kamen auf dem Benediktushof Menschen zusammen, um gerade in diesen Zeiten Stille zu erfahren. Wir haben ein sehr strenges Hygienekonzept und die Kommunikation über Sprache soweit wie möglich reduziert. Geatmet haben wir noch. Ob davon eine besondere Gefahr ausging, ein Risiko gibt es immer. Die Menschen, die sich für einen Besuch entschieden hatten, waren sich dessen bewusst. Dennoch ist es in Pandemie-Zeiten grundsätzlich richtig, Kontakte einzuschränken. Die Prioritäten dazu werden natürlich ganz unterschiedlich gesehen. Jeder sollte das in eigener Verantwortung entscheiden können. Aber das ist offensichtlich (noch) eine Illusion. Ein Teil unserer Angebote findet jetzt wieder online statt. Auch von mir gibt es dieses Wochenende ein Sesshin und nächstes Wochenende eine Einführung in Zen.
Radikale Akzeptanz als Haltung, das hat uns Willigis Jäger sein ganzes Leben lang gelehrt.
Es bedeutet: Offen und ehrlich Ja zu sagen zu dem, was ist. Es ist ein aktives Annehmen, Einwilligen und Einverstanden sein. Radikal heißt vollkommen, von unserem wahren Wesen aus, vollständig.
Gerade jetzt, wo viele von uns mit den aktuellen politischen Entscheidungen zur Bewältigung der Pandemie ringen, sind wir dazu aufgerufen. Es ist notwendig, die Entscheidungen zu akzeptieren, wir dürfen aber Alternativen diskutieren und sollten auch andere und abweichende Meinungen respektieren und uns nicht polarisieren lassen.
Um im Prozess unseres Lebens und unserer spirituellen Entwicklung voranzuschreiten, ist radikale Akzeptanz eine der notwendigen Entscheidungen, die wir immer wieder treffen müssen. Mit der Entscheidung alleine ist es nicht getan, es ist nicht nur ein Willensakt, sondern ein stetiges Üben im Alltag.
Die Pandemie fordert von uns abermals erhebliche Einschränkungen in der Gestaltung unseres privaten und öffentlichen Lebens, auch der Benediktushof muss erneut schließen. Gerade erst war er wieder von vielen als ein Ort des Innehaltens und der Besinnung genutzt worden. Viele Menschen kamen an den Hof, um hier neue Kraft zu schöpfen und um Ideen zu entwickeln, den vielfältigen Herausforderungen in diesen Zeiten zu begegnen.
Nun müssen wir uns diesbezüglich wieder auf Online-Angebote und unsere eigenen Ressourcen beschränken. In der eigenen spirituellen Praxis – gleich ob Kontemplation oder Zen, lassen sich alle grundsätzlichen Antworten finden. Damit diese Relevanz für unseren Alltag und unser Verhalten erlangen, brauchen sie jedoch den Dialog mit unseren modernen Wissenschaften, um zu tragfähigen konkreten Strategien führen zu können.
Wir wissen, dass wir unseren Lebensstil verändern müssen. Die Pandemie ist nur ein Symptom unserer bisherigen Lebensweise. Auch wenn wir wirksame Impfstoffe entwickelt haben, können wir nicht zur gewohnten Lebensweise zurückkehren.
Radikale Akzeptanz heißt eben nicht gleichgültig zu werden, alles gutzuheißen und nichts mehr verändern zu wollen. Im Gegenteil, wir sind dazu aufgerufen, immer wieder auch von unseren Kissen aufzustehen und zu tun, was zu tun ist.
Radikale Akzeptanz alleine ist aber nicht vollständig. Zu ihr gehört das Loslassen, um daraus eine vollkommene Handlung zu machen. Es ist der tiefen Weisheit und Erkenntnis geschuldet, dass es überhaupt nichts gibt, was ich wirklich ernst nehmen könnte, vor allem nicht mich selbst. Habe ich das geklärt, kann ich auch immer wieder lachen. Und dennoch das tun, was notwendig ist, um Menschen und die ganze Schöpfung von ihrem Leid zu befreien. Die Achtung vor dem Leben und ein sich entwickelndes Mitgefühl sind dabei unerlässlich.
Radikale Akzeptanz und Loslassen als geistige Handlung korrespondieren mit unserem körperlichen Prozess des Atmens. In jedem Einatmen nehmen wir an – uns selbst und die Welt. Wenn wir unseren Einatem nicht voll kommen lassen, schneiden wir uns ab von dem Leben, das wir sind. Das, was wir immer wieder neu sind, in jedem Augenblick. In jedem Ausatem lassen wir los, halten nichts mehr fest, lassen des Leben fließen, so, wie es fließt. Wenn wir unseren Ausatem nicht vollkommen lassen, engen wir uns ein und beschränken das Leben, das sich gerade als die Form lebt, die wir sind.
Auf unserem Übungsweg lernen wir, uns diesem Prozess anzuvertrauen. Allein, um uns selbst anzunehmen, brauchen wir oft eine lange Zeit. Aber wenn wir kein Mitgefühl für uns selbst entwickeln, können wir es auch nicht für die anderen. Wenn wir erfahren, wer wir selbst wirklich sind, gibt es nur noch ein Mitgefühl.
Einatmen und Ausatmen sind nicht voneinander zu trennen, sondern sind ein Prozess. Radikale Akzeptanz und Loslassen gehören ebenso zusammen und sind ein Prozess.
Ein anderes Wort dafür ist Liebe. Liebe, die alles umfängt und nichts ausschließt, die nichts festhält und dennoch alles in sich aufnimmt. Liebe, die sich ausdrückt als der Augenblick gerade jetzt.
In diesen besonderen Zeiten kann unser Zazenkai nicht wie gewohnt vor Ort im Dörp stattfinden.
Darum lade ich euch ganz herzlich zu einem Online-Übungstag (Zazenkai) am Samstag, den 21.November ein. Unsere online Zeit wird von 10 bis 13.00 Uhrgehen. Die übrige Zeit des Tages habt ihr zur freien Verfügung, um entweder euren Alltag in gewohnter Weise zu nutzen oder eben doch in eigener Praxis Stille zu üben. Wir beginnen um 10:00 Uhr mit einer kurzen Begrüßung, werden dann nach zwei Einheiten Sitzen à 25 Minuten mit einer Bewegungspause dazwischen, mein Teisho anhören können, dann wieder zwei Einheiten sitzen und schließlich mit einem Austausch abschließen. Kosten entstehen euch keine. Über untenstehenden Link könnt ihr euch einloggen. Ihr braucht dafür eine gute Internetverbindung und ein entsprechendes Gerät, vom PC bis zum Smartphone ist alles möglich.
Herzliche Grüße, Manfred
Manfred R lädt Sie zu einem geplanten Zoom-Meeting ein.
Thema: Zazenkai 21.November 10-13 Uhr Uhrzeit: 21.Nov.2020 10:00 AM Brüssel
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